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Die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung – warum und wann aktiviere ich sie?

Die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung – warum und wann aktiviere ich sie?

Für was gibt es eigentlich die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung und was bewirkt sie? In meinem Sommerurlaub hatte ich endlich mal die Zeit, um ein paar Testfotos zu machen. Warum gibt es überhaupt eine zweite Art Rauschreduzierung in der Kamera und was unterscheidet sie von der normalen Rauschreduzierung?

Der Unterschied zwischen der normalen Rauschreduzierung und der Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung

Die normale Rauschreduzierung

Die normale Rauschreduzierung in der Kamera wirkt bei erhöhten ISO-Werten. Sie soll das normale Sensorrauschen bei höheren ISO-Werten verringern. Diese Rauschreduzierung hat nur eine Wirkung auf das Foto, wenn Ihr JPEG fotografiert. Letztendlich ist es ein Bildbearbeitungsprozess, wie in Lightroom z.B.. Dieser soll das Foto vom störenden Rauschen befreien. Er wird in der Kamera automatisch vor dem Speichern ausgeführt.

Ab wann und wie stark dieser Prozess in das Foto eingreift, hängt stark auch vom Kameratyp ab. Ihr habt wahrscheinlich auch nur die Wahl zwischen „schwach, normal, stark oder aus“. Leider kann es aber sein, dass selbst bei „aus“ ab bestimmten ISO-Werten standardmässig eine Rauschreduzierung von der Kamera durchgeführt wird.

Auf das RAW Foto hat die eingestellte Rauschreduzierung keinerlei Auswirkung. Wenn Ihr also die Rauschreduzierung mit 100%iger Sicherheit deaktivieren wollt, müsst Ihr die Kamera auf RAW umstellen.

Die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung

Die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung wirkt unabhängig vom eingestellten ISO-Wert. Sie soll das Störrauschen bei längeren Verschlusszeiten reduzieren. Schauen wir uns einfach mal das folgende Foto an. Es wurde mit einer OM-D EM1 bei ISO 200 (das ist der geringste originale ISO-Wert des Sensors) fotografiert. Die Belichtungszeit betrug 256s.

Foto mit OM-D EM1 - Langzeitbelichtung 256s ohne Rauschreduzierung, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

Holla die Waldfee, das sieht ja gar nicht gut aus. Überall im Foto verteilt habe ich farbige Fehlpixel. Die stören doch gewaltig. Was ist hier passiert? Vereinfacht gesagt, entstehen diese Fehlpixel durch das Erwärmen des Sensors infolge der langen Belichtungszeit.

Diese Störpixel entstehen unabhängig vom Motiv. Wie kriege ich die weg? Ganz einfach, die Kamera macht ein zweites Foto hinterher mit geschlossenem Verschluss und der selben Zeit. Theoretisch müsste ein komplett schwarzes Foto da rauskommen, wenn es keine Störpixel gäbe. Natürlich kommen die Störpixel auch hier zum Vorschein und genau dadurch wirkt die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung. Sie lokalisiert die Störpixel im schwarzen Foto und ersetzt die Pixel an der selben Stelle im originalen Foto durch passende benachbarte Pixel bzw. interpoliert das Pixel durch die benachbarten Pixel. Störung beseitigt. Das Ergebnis aus diesem zweistufigen Prozess sehen wir in dem folgenden Foto.

Foto mit OM-D EM1 - Langzeitbelichtung 256s mit Rauschreduzierung, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

Farbstich ohne Rauschreduzierung

Was bei dem Foto ohne Rauschreduzierung noch auffällt, ist der extreme Farbstich ins Grüne. Bei der Aufnahme hat sich aber das Licht gar nicht geändert und der Graufilter war auch der Gleiche. Woher kommt der? Ich vermute, dass er durch das Bayer-Raster (Farbfilter vor dem Sensor) entsteht. Dieser Farbfilter für die Farbfotografie besteht ja aus viel mehr Grünanteil als rot bzw. blau. Ich habe den Farbstich auch mit Absicht in Lightroom nicht korrigiert. Ich hoffe, Ihr könnt die vielen grünen Punkte im 1:1 Ausschnitt ganz gut erkennen.

Foto mit OM-D EM1 - Langzeitbelichtung 256s ohne Rauschreduzierung - Ausschnitt, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

Zum Schluss bleibt nur noch die Frage, ob ich durch diese Rauschreduzierung nicht zu viele Details im Foto verliere? Diese Frage könnt Ihr Euch nur durch ausprobieren richtig beantworten. Wenn ich mir den 1:1 Auschnitt im Foto mit Reduzierung so ansehe, kann ich damit leben. Das Foto hat doch immer noch eine ausreichende Schärfe.

Foto mit OM-D EM1 - Langzeitbelichtung 256s mit Rauschreduzierung - Ausschnitt, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

Und wie gehe ich jetzt in der Praxis damit um?

Eine generelle Empfehlung, ab wann Ihr die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung aktivieren könnt, kann ich Euch nicht geben. Jede Kamera reagiert unterschiedlich auf lange Verschlusszeiten. Macht einfach selbst ein paar Testreihen und entscheidet dann, ab wann Ihr sie in der Kamera aktiviert. Ich habe die Grenzen für meine Kameras so auch heraus gefunden. Die OM-D EM1 darf bei mir nur bis 60s ohne und die NIKONs (D810, D750) brauchen es gar nicht. Die haben selbst bei 15 Minuten noch gut ohne fotografiert

Die automatische Auswahl durch die Kamera würde ich auf jeden Fall deaktivieren. Zu oft seht Ihr sonst eine kleine Meldung im Display wie „Kamera arbeitet oder so ähnlich, Speicherkartensymbol blinkt ….“ und der Auslöser ist blockiert. Denkt auch dran, die zweite Aufnahme kostet auch Strom. Damit kann der Akku weniger fotografieren.

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