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Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie

Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie

In der Fotografie taucht ja irgendwann auch der Begriff Hyperfokale Entfernung / Hyperfokale Distanz auf. In diesem Beitrag möchte ich Euch so einfach wie möglich erklären, was das ist und wofür wir das brauchen. Wie immer will ich Euch dabei nicht mit irgendwelchen technischen Details zu sehr langweilen und zum Schluß stelle ich Euch auch noch ein kleines Hilfsmittel vor, mit dem Ihr auch ganz schnell und einfach zu diesem Wert kommt.

Der Schärfebereich beim Fotografieren – die Schärfentiefe

Ich habe für Euch an dieser Stelle einfach einmal zwei Fotos raus gesucht, an denen Ihr sehr schön erkennt, dass der Bereich der Schärfe im Foto doch sehr unterschiedlich sein kann. Im linken Foto wurde der Strandhafer sehr schön frei gestellt und im rechten Foto habe ich den Schärfebereich maximal ausgedehnt, damit auch die Details im Hintergrund so gut wie möglich kennbar sind.

Hyperfokale Entfernung - Erklärung - Beispielfoto Schärfebereich klein (wenig scharf), (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)
Hyperfokale Entfernung - Erklärung - Beispielfoto Schärfebereich groß (viel scharf), (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

Die Größe des Schärfebereiches ist abhängig:

  • erstens von der Sensorgröße der verwendeten Kamera (je größer der Sensor, desto schneller die Unschärfe)
  • zweitens von der eingestellten Blende an der Kamera (kleine Zahl wenig scharf, große Zahl viel scharf)
  • drittens von der Brennweite des Objektivs (Weitwinkel mehr scharf, Teleobjektiv weniger scharf)
  • und viertens von dem Abstand zwischen Kamera und Motivstelle auf die fokussiert wird (kleiner Abstand zum Fokuspunkt wenig scharf und großer Abstand viel scharf)

Sorry, wenn ich es an dieser Stelle etwas plakativ beschreibe aber ich glaube, so ist es am verständlichsten. Natürlich kann ich die einzelnen Stellschrauben miteinander kombinieren.

Das häufigste Ziel in der Landschaftsfotografie – maximale Schärfe von vorn bis hinten

Alles klar bis hier? Jetzt schauen wir uns nochmal das zweite Foto mit dem Berliner Sonnenaufgang an. Ziel bei solchen Landschaftsaufnahmen ist es meistens, den Bereich der Schärfe zu maximieren, damit viele Details im Foto noch erkennbar sind. Was ist von den 4 oben genannten Parametern schon mal fix und nicht veränderbar?

  • Die Brennweite wird durch den Bildausschnitt vorgegeben, den ich im Foto festhalten will.
  • Die Sensorgröße ist auch für die meisten fix, da man im Normafall nur eine Kamera (dabei) hat.

Bleiben nur noch die Blende und der Abstand zum fokussierten Punkt. Ich muss also eine Kombination finden, mit der ich am besten den Schärfebereich bis ins Unendliche ausdehne und habe hierfür die zwei Stellschrauben Abstand und Blende. Stelle ich auf einen Punkt scharf, der zu nah an der Kamera ist, kann es sein, dass der Schärfebereich nach hinten zu früh endet. Liegt der Fokuspunkt zu weit hinten, habe ich nach vorne eventuell zu viel unscharf. Kombinieren kann ich das Ganze noch mit der Blende. Diese Blende will ich aber nur so weit wie nötig schliessen, damit ich keine Beugungsunschärfen im Foto habe.

Die hyperfokale Entfernung

Für eine von mir vorgegebene Blende suche ich also eine Entfernung auf die ich scharf stellen (fokussieren) kann und dann soll alles dahinter scharf sein. Und genau das ist diese hyperfokale Distanz. Bei konstanter Brennweite rutscht die hyperfokale Distanz zu mir, wenn ich langsam die Blende schliesse und damit wird der unscharfe Bereich im Vordergrund immer kleiner. Steigern kann ich das noch, indem ich immer kleinere Brennweiten verwende. Ich habe mir mal zwei Beispiele rausgesucht und will möchte Euch damit die Anwendung zeigen.

Beispiel 1 – Aufnahme aus Venedig

Fotografiert habe ich hier mit einer Nikon D810 Vollformatkamera und einer Brennweite von 55mm. Mir war es wichtig, dass sowohl die Gebäude im Vordergrund als auch der Dom im Hintergrund scharf abgebildet werden. Der minimale Abstand zu den Gebäuden im Vordergrund betrug ca. 15m (geschätzt). Natürlich wusste ich nicht, wie weit der Dom im Hintergrund weg  war. Was ich aber in meiner Tabelle ablesen konnte, war der Fakt, dass ich bereits bei Blende f7.1 die hyperfokale Entfernung von 14,2 Metern erreicht hatte und damit sowieso alles im Hintergrund scharf abgebildet wird. Mit meiner gewählten Arbeitsblende f9.0 war ich also auf der sicheren Seite.

Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 01 (Venedig) , (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)
Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 01 (crop 1:1 vorne) (Venedig) , (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

1:1 crop Vordergrund Gebäude links

Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 01 (crop 1:1 hinten) (Venedig) , (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

1:1 crop Hintergrund Dom

Beispiel 2 – Aufnahme aus Berlin

Fotografiert habe ich hier mit einer Nikon D810 Vollformatkamera und einer Brennweite von 135mm. Mir war es wichtig, dass sowohl die Molecule Man im Vordergrund als auch der Berliner Fernsehturm im Hintergrund scharf abgebildet werden. Der geschätzte Abstand zu den Molecule Men im Vordergrund betrug ca. 200 m. Wieder hatte ich keine Ahnung, wie weit der Berliner Fernsehturm im Hintergrund weg  war. Was ich aber in meiner Tabelle ablesen konnte, war der Fakt, dass ich bereits bei Blende f3.2 die hyperfokale Entfernung von 190 Metern erreicht hatte und damit sowieso alles im Hintergrund scharf abgebildet wird. Mit meiner gewählten Arbeitsblende f8.0 war ich also auch hier auf der sicheren Seite.

Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 02 (Berlin Molecule Men) , (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)
Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 02 (Berlin Molecule Men) Crop 1:1 Vordergrund, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

1:1 crop Vordergrund Gebäude links

Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie - Beispielfoto 02 (Berlin Molecule Men) Crop 1:1 Hintergrund, (Foto copyright - Frank Weber - Berlin - fotologbuch.de)

1:1 crop Hintergrund Dom

Woher bekomme ich diese hyperfokale Entfernung?

Dafür gibt es zum Beispiel diverse Webseiten, Tools und Apps im Internet. Ich habe auf meinen Handy die App PhotoPills installiert. Damit kann ich noch viel mehr machen, aber ein Menüpunkt heisst einfach Hyperfokaltabelle. Die App selber stelle ich Euch in der nächsten Woche etwas ausführlicher vor aber hier kommt schon mal, als ein kleiner Vorgeschmack, der Teil mit der Hypervokaltabelle.

Damit bin ich für heute auch am Ende dieses kurzen Beitrags angekommen. Ich hoffe, Ihr habt alles verstanden und ich konnte es verständlich erklären. Ich freue mich, wie immer, über Eure Kommentare und Rückmeldungen.

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2 Kommentare zu “Hyperfokale Entfernung – Was ist das und wofür brauche ich es in der Fotografie

  1. Danke für die anschaulichen Beispiele und Ratschläge!
    An der „Technik“ bzw. am Effekt gefällt mir besonders, dass man trotz vor Automatismen strotzenden Kameras doch ein wenig selbst planen muss – das macht die jeweilige Aufnahme für mich noch „bewusster“. 😉

    Eine Ergänzung hätte ich aber – Du schreibst „Für eine von mir vorgegebene Blende suche ich also eine Entfernung auf die ich scharf stellen (fokussieren) kann und dann soll alles dahinter scharf sein. “
    Ergänzend kommt ja hinzu, dass nicht nur alles hinter dem gewählten Fokuspunkt „bis unendlich“ scharf ist, sondern auch ein Bereich vor dem Fokuspunkt.

    Für meine D750 mit 50mm Brennweite ergibt sich bei Blende 11 z.B. ein optimaler Fokuspunkt von 8m.
    Die Schärfe beginnt dann 4m „vor mir“ (man sagt ja auch ca. die halbe Entfernung zwischen Standpunkt und Fokuspunkt) und erstreckt sich bis unendlich.
    Alternativ zur hoch geschätzten App „Photo Pills“ kann ich die App (iOS) „FocusFinder – Schärfentiefenrechner“ von Lukas Schmidt empfehlen, in der man schön veranschaulicht mit Brennweite, Entfernung zum Fokuspunkt und Blende experimentieren kann.
    Danke für die vielen informativen Beiträge!

    • Hallo Markus,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Mir ging es in diesem Beitrag erst einmal nur um das dahinter. Natürlich ist das mit dem Schärfentiefebereich davor auch wichtig aber ich wollte die Leser am Anfang nicht gleich mit zu viel Technik belasten und verwirren. Ich werde mir das Thema Schärfentiefe generell mal separat vornehmen. Vielen Dank auch für den Tipp mit der App „FocusFinder“.

      Liebe Grüße Frank


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