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Ein paar Gedanken (Kriterien) von mir zur Auswahl von Objektiven

Ein paar Gedanken (Kriterien) von mir zur Auswahl von Objektiven

Worauf achte ich eigentlich, wenn ich mir ein neues Objektiv kaufe oder Objektive für einen Fotoausflug / eine Fotoreise auswähle? Ich möchte Euch einfach einmal ein paar Gedanken von mir zu dem Thema mitteilen. Vielleicht hilft es ja dem Einen oder Anderen von Euch. Oft genug geistern ja Fragen zur Objektivauswahl durch Foren und Diskussionsgruppen (Facebook und Co.).

Eins gleich vorneweg, dass hier ist meine Meinung. Sie ist auf keinen Fall das Maß der Dinge aber ich rede einfach aus meiner Erfahrung heraus. Ich will Euch auch keine Empfehlung geben, wie kauft das Objektiv oder das hier. Das geht gar nicht. Ich will Euch nur ein paar Fragen und Gedanken an die Hand geben, nach denen Ihr bei Eurer nächsten Auswahl selbst entscheiden könnt.

1) Objektiv Auswahl Kriterium – Festbrennweite oder Zoom

Das obige Beitragsfoto zeigt gleich zwei Objektive von mir, die unterschiedlicher nicht sein können. Da ist zum Einen die Festbrennweite – Zeiss Otus 28/1.4 (alle Links sind Affiliate Links) und daneben das ganze Gegenteil, ein Reisezoom in Form des Nikon 28-300. Das Otus ist ein Spezialist mit wirklich hervorragenden Abbildungsleistungen (Schärfe, Kontrast, Farben …). Das Andere eine Universalobjektiv, bei dem ich aber auch bestimmte Nachteile (gerne) in Kauf nehme.

Festbrennweite – Vor- und Nachteile

Beginnen wir mit den Vorteilen der Festbrennweite. Da sich der Hersteller nicht mit Zoom und Co. auseinandersetzen muss, ist die Abbildungsqualität meistens besser und die Objektive sind meistens auch lichtstärker als Zoomobjektive mit vergleichbarer Brennweite. Dadurch kann ich auch in lichtschwächeren Umgebungen (Parties …) besser fotografieren und muss zum Beispiel den ISO-Wert nicht so hoch prügeln. Gerade wenn dann noch bewegte Motive (z.B. in einer Reithalle) fotografiert werden wollen, spielen diese lichtstarken Festbrennweiten diese Stärke voll aus.

Auch der Autofokus profitiert von dieser Offenblendfähigkeit. So kann eine lichtstarke Festbrennweite in vielen Fällen noch scharf stellen, wo das Zoomobjektiv schon versagt und nur noch hin und her fährt. Schade, wenn man dadurch ein Foto nicht mehr machen kann oder die Situation zu schnell vorbei ist.

Klar sollte auch jedem sein, dass ich durch die Lichtstärke einer Festbrennweite besser mit Schärfe/Unschärfe spielen kann. Freistellen gelingt damit einfach besser.

Ein paar Fotos die mit Festbrennweiten gemacht wurden und wo die Vorteile einer Festbrennweite voll zum Tragen kamen.

Wo viel Licht ist, ist bekanntermaßen auch viel Schatten. So hat die Festbrennweite ganz klar auch einige Nachteile. Da wäre als Erstes das Gewicht und die Anzahl der Objektive. Wenn ich mir die Flexibilität der Brennweite und Blickwinkels erhalten möchte, muß ich mehr als ein Objektiv mit mir rumschleppen. Da freut sich mein Rücken und bei mir lässt in solchen Fällen sehr oft die Lust am Fotografieren irgendwie nach. Wenn ich mich aber bewusst auf ein Objektiv beschränke, kann ich zwar nicht alles wie gewünscht fotografieren aber ich bin mit Freude dabei und die Ergebnisse stimmen letztendlich auch.

Ein Problem wird es auch, wenn ich das Objektiv in einer unwirklichen Umgebung wechseln müsste. So hatte ich in London im letzten Sommer ganz viel Regen. Was glaubt Ihr, wie oft ich das Objektiv gewechselt habe? Jeder Wechsel konnte Wasser im Kameragehäuse hervorrufen. Nee, dazu hatte ich gar keine Lust. Da hätte ich mir gerne das 28-300er an der Nikon gewünscht.

Zoomobjektiv – Vor- und Nachteile

Generell muss ich hier noch zwischen zwei Zoomobjektivtypen unterscheiden:

  • klassische Zoomobjektive mit normalem Zoombereich (was bitte ist normal?)
  • Ultra- oder Reisezooms

Fangen wir erst mal mit dem Reisezoom an. Alles was in diese Kategorie nicht rein passt, ist dann automatisch das Normalzoom. 😉 Ein Reise- oder Ultrazoom hat einfach einen ziemlich großen Zoombereich vom Weitwinkel bis in den Telebereich. Ich habe in der Klasse das Nikon 28-300 und das Olympus M. Zuiko Digital ED 12-100mm 1:4.0 IS Pro im Einsatz. Beide ermöglichen mir relativ schnell und unkompliziert verschiedene Motive im Foto festzuhalten. Klar, ich muss ja unter Umständen nur etwas am Zoom drehen, um zum Beispiel ein Motiv näher ranzuholen. Das spart Zeit und ich bin extrem flexibel mit dieser Variante. Fotografieren im Regen ist dann auch kein Problem. Ich muss ja nix wechseln und beide Objektive sind selbst abgedichtet. Auf Kuba habe ich zum Beispiel das Meiste mit dem 12-100mm Objektiv an der OM-D fotografiert. Nur wenn ich extreme Weitwinkel benötigte, kam das 7 – 14 mm oder das 8mm Fisheye zum Einsatz.

Leider leidet durch diese Konstruktion natürlich ein bisschen die Abbildungsqualität. Die Fotos sind nicht so scharf wie mit der Festbrennweite und ich habe unter Umständen Objektivverzeichnungen (tonnen- oder kissenförmig). Das Meiste davon kann ich aber im Nachhinein ganz gut korrigieren. Ist nicht schön aber kann ich mit leben. Ein echter Nachteil ist aber die Lichtstärke bei Zoomobjektiven. Fast allen Reisezooms fehlt es gerade im Telebereich an Lichtstärke (da bin ich schon froh über die f4.0 an dem 12-100mm) da sie im Telebereich nur f5.6 und mehr verwenden können. Dumm wenn ich meine Kids / meine Freunde in der Reithalle, auf dem Weihnachtsmarkt … fotografieren will. Geht sehr oft nicht. Das Objektiv kann nicht mehr scharf stellen und die Kamera löst nicht aus.

Und an der Stelle kommen wir zu den normalen Zoomobjektiven. Hier ist der Zoombereich enger begrenzt. Ich habe hier folgende Beispiele im Einsatz:

Durch die Einschränkung im Zoombereich sind die Abbildungseigenschaften dieser Objektive meistens besser und hier habe ich auch sehr oft mehr Lichtstärke zur Verfügung. Durchgängig f2.8 ist schon eine Hausnummer, mit der ich gerade in dunkleren Umgebungen besser fotografieren kann ( 4 mal soviel Licht als bei f5.6). Leider sind diese Objektive dann auch entsprechend teuer.  Hier kann ich Euch nur den Rat geben, kauft lieber weniger aber hochwertiger. Gute Objektive behaltet Ihr wesentlich länger.

Einen Vorteil gegenüber den Festbrennweiten haben die meisten Zoomobjektive. Ganz viele haben einen Stabilisator eingebaut und der hilft Euch ungemein, wenn Ihr aus der Hand fotografiert. Ihr verwackelt die Aufnahmen einfach nicht so schnell. Ich habe schon Aufnahmen mit 0,5s aus der Hand fotografiert und da wäre ich mit jede meiner Festbrennweiten gnadenlos gescheitet.

Ein paar Fotos die mit Zoomobjektiven gemacht wurden

2) Objektiv Auswahl – Meine Empfehlungen

Nachdem ich nun mehr oder weniger nur ein paar Vor- und Nachteile von Festbrennweiten oder Zoomobjektiven erläutert habe, will ich Euch natürlich auch ein paar Empfehlungen geben bzw. Fragen für Euch formulieren die Ihr Euch dann passend selber besser beantworten könnt. Leider kann ich Euch keine einfache Antwort geben.

Muß ich alles selbst schleppen über längere Zeiten oder nicht?

Gerade auf Reisen ist das ein wichtiges Kriterium. Wenn ich länger unterwegs bin und alles schleppen muß, kommen die Zooms zum Einsatz. Da haben die Festbrennweiten Ruhe. Ich verzichte dann sogar auf die Vollformatkamera und nutze nur die OM-D nach dem Motto klein und leicht. Ich habe auch alle Festbrennweiten und die 2.8er Zoomobjektive (12-40 und 40-150) für die OM-D wieder verkauft und reise nur noch mit dem 12-100er, dem  7-14mm Pro 2.8 und 8mm Pro Fisheye. Standardmäßig ist das 12-100er auf der Kamera (um schnell reagieren zu können) und wenn ich mal mehr Weitwinkel brauche, wird kurz gewechselt.

In Schottland dieses Jahr war mein Auto das Basislager. Da durften dann die Nikons nicht fehlen und 2-3 Festbrennweiten verträgt mein Rücken noch. Bei den Tagesausflügen in London selber habe ich dann aber wieder das Reisezoom vermisst bzw. ich hatte das 28-300er noch nicht. Bei unseren Paddelurlauben in Schweden ist immer eine OM-D mit Zoom in Griffweite gewesen. Abends aber im Camp wurde dann der Koffer mit der DSLR und den lichtstarken Festbrennweiten rausgeholt, um auch bei wenig Licht noch Momente und Situationen im Bild festzuhalten.

Habe ich viel Zeit beim Fotografieren (geplante Shoots) oder muß ich sehr flexibel auf Situationen reagieren?

Am liebsten fotografiere ich in Ruhe und mit viel Zeit. Ich mag generell keine Hektik. Bei solchen Fotoausflügen fotografiere ich gerne mit den Festbrennweiten und genieße den Vorteil der absoluten Bildqualität. Hier stört es mich auch nicht, öfter mal die Linse zu wechseln. Die meisten Fotos in Venedig sind so entstanden. Nur wenn ich den extremen Bildwinkel des Nikon 14-24er benötigte, durfte hier das Zoom ran. Auch wenn ich auf der Jagd nach Tierfotos mit stationärem Standpunkt bin, darf nur die Festbrennweite ran. Im Londoner Zoo allerdings habe ich wieder das 70-200er Zoom vermisst. Zu oft wechselten die Entfernungen und ich war mit meiner Festbrennweite einfach zu unflexibel.

Fotografiere ich bei wenig Licht?

Wenn nicht, brauche ich nicht unbedingt eine lichtstarke Festbrennweite. Gerade bei Fotos am Tage kommt dieser Vorteil sehr oft gar nicht zum Tragen. Reitplatz im Freien am Tage ist ok, in der Reithalle oder abends bekomme ich mit dem Zoom meistens ein Problem. An der Stelle hilft mir auch nicht der eventuell vorhandene Stabilisator. Der soll nur das eigenen Verwackeln verhindern und die Bewegung ist trotzdem verwischt weil zu schnell.

Fotografiere  ich auch bei schlechtem Wetter draußen?

Wenn ja, solltet Ihr unbedingt auch darauf achten, das die Objektive auch spritzwassergeschützt sind. Leider sind die Teile meistens etwas teurer. Zur Not hilft aber unter Umständen auch eine Plastiktüte. Solltet Ihr trotzdem mal unterwegs ein Feuchtigkeitsproblem haben, so packt das Objektiv einfach in eine Tüte mit Silikattütchen (kann man z.B. bei Amazon im Set kaufen) für ein paar Tage und lasst so Eure Objektive wieder trocknen. Ich verwende diese Lösung immer bei meinen Zeiss Objektiven, da sie nicht abgedichtet sind. Im Normalfall reicht aber sehr oft auch ein trockner Platz neben der Heizung. Bitte nehmt keinen Reis dafür. Der macht alles nur dreckig.

Brauche ich die absolute Abbildungsqualität überhaupt oder leben die Fotos von der Situation / dem Motiv alleine?

Hier scheiden sich dann die Geister. In vielen Fällen hat das Licht, die Situation vielmehr Gewicht bei einem Foto als die absolute Bildqualität. Klar, wenn ich Prints in etwas größerer Qualität haben will, ist Auflösung, Schärfe, Kontraste, Farbwiedergabe immens wichtig aber einiges kann ich auch im Nachhinein durch die Bildbearbeitung noch steuern. Und bei vielen Fotos entscheidet einfach mehr der passende Moment. Wenn sich ein Foto nur durch Schärfe und Kontraste auszeichnet, ist es für mich kein tolles Foto.

3.) Wie würde ich vorgehen, wenn ich neu anfangen würde zu fotografieren?

Als erstes würde ich mir ein normales Zoom und eine lichtstarke Festbrennweite kaufen. Das Zoom für den Alltag und die Festbrennweite für schwierige Lichtsituationen. Bei der Festbrennweite müsste ich mich nur entscheiden, was ich gerne fotografieren will. Sind es Porträts, käme ein 50er (an APS-C) oder ein 85er (an Vollformat) für mich in Frage. Damit kann ich dann auch sehr schön Personen freistellen. Sind es mehr Reisen und Ausflüge darf es gerne 35mm und weniger Brennweite sein. Wir wollen ja was von der Umgebung einfangen.

Wichtig, ich würde lieber weniger aber dafür hochwertiger kaufen. Fangt langsam an und kauft später was ordentliches nach, wenn Ihr mehr braucht und das Geld dafür habt. Ist billig immer schlecht? Nein, ich google auch immer und lese fleissig Testberichte von Fotografen und mache mir so ein persönliches Bild. Aber bevor ich aus der Not eine schlechte Alternative kaufe (weil das Geld nicht da ist) warte ich lieber. Ich gebe es auch gerne zu. Am Anfang habe ich gerne die 0% Finanzierungen genutzt. Mir taten 24*100€ damals nicht so weh, wie einmal 2400€.

Damit bin ich auch am Ende für den heutigen Blogbeitrag angekommen. Ich hoffe, der Beitrag war / ist interessant und hilft Euch ein bisschen. Ich habe einfach einmal über das Thema laut nachgedacht und wünsche Euch auf jeden Fall jetzt ein schönes Wochenende und freue mich auf Eure Fragen und Kommentare.

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Wenn Ihr noch mehr über die Fotografie oder das Fotografieren überhaupt lernen möchtet, kommt doch zu einem meiner Fotokurse oder Lightroom Workshops in Berlin und Prerow. Es gibt Anfängerkurse und Kurse zur fortgeschrittenen Themen. Ich würde mich freuen. Alle Infos zu den Fotokursen bekommt Ihr in meinem Store und auf meine Fotokursseite hier im Blog. Danke für Euer Interesse.

2 Kommentare zu “Ein paar Gedanken (Kriterien) von mir zur Auswahl von Objektiven

  1. Hallo

    Das sind natürlich Fragen die immer wieder mal einen Antwort verlangen.

    Für mich hat sich das für Urlaubsreisen eines Hobbyfotografen in den Süden so entwickelt:
    Kleines und leichtes Equipment. Daher eine Olympus OM-D. Ein 12-40 f2.8 für Landschaftsaufnahmen. Dieses Objektiv ist ein Schweizer Taschenmesser und hat die Auflösung die ich dafür benötige. Für Reisen Überland und Ausflüge und Strand das Reisezoom 14-150 f4-5.6 . Das ist leicht, flexibel und robust (Staub und Spritzwasser geschützt). Da im Süden das Licht in aller Regel weniger das Problem ist, kann man damit gut leben.

    Für Abends wird dann doch Lichtstärke benötigt. Da habe in ein 25mm f1.8 dabei. Wobei meine Erfahrungen ist, das 25mm (50mm Kleinbild) für mich etwas zu eng ist, und ich plane auf etwas Weitwinkligeres zu gehen. Also 16/17mm f1.4.
    Ich bin noch am überlegen ob ich mein Tele mitnehme(75-300). Das ist aber wieder etwas größer und nicht staub geschützt, für den Strand oder Ausflüge wäre ich da etwas vorsichtig.
    Das ist jetzt mein Equipment für die Standard Flugreise. Das wäre jetzt sicherlich keine (und auch nicht meine) wenn es eine Safari wäre.
    Zu guter letzt: Diebstahl ist natürlich immer ein Thema. Aber man möchte natürlich sein Equipment mitnehmen. Trotzdem kann unter Umständen ein älteres Objektiv eine Alternative sein. Diese sind zu überschaubaren Preisen zu bekommen und sind in aller Regel gut zu nutzen. Ich habe z.B. ein Pentacon 50mm f1.8, was eine tolle Linse ist für Portrait oder Objekte freizustellen.

    • Hallo Peter,

      schön mal wieder von Dir zu hören. Ja, Diebstahl ist natürlich ein heisses Thema. Zum Glück habe ich alles versichert und erleide im Falle des Falles wenigstens kein finanzielles Desaster.

      Liebe Grüße Frank


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